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Technisches Ergebnis

Wenn ein Eiskunstläufer ein Element durchgeführt hat, kennzeichnet es der Technische Spezialist, überwacht vom Technischen Kontrolleur. Sein jeweiliger Punktwert wird auf den Bildschirmen der Preisrichter angezeigt. Jeder Preisrichter beurteilt dann die Qualität des Elements, den Grad der Durchführung (engl. Grade of Execution, kurz GOE). Bei bestimmten Elementen wie Pirouetten und Schrittfolgen wird ein Schwierigkeitsniveau zugeteilt.

Wertskala 

Die Wertskala (engl. Scale of Values, kurz SOV) beinhaltet Grundwerte aller Elemente und Regelungen für die Qualität ihrer Ausführung. Die Wertskalatabelle (engl. Scale of Values Table) der Elemente für Einzellauf, Paarlauf und Eistanzen wird jährlich durch die ISU veröffentlicht und kann durch eine ISU-Kommunikation geändert werden.

Schwierigkeitsniveau

Die Technischen Spezialisten präzisieren den Namen und das Schwierigkeitsniveau (engl. Level of Difficulty) jedes Elements.

  • Hebungen und Todesspiralen (Paarlauf), Pirouetten, Schritte und Spiralen (Einzel- und Paarlauf) sind in 3 Niveaus geteilt, abhängig von ihrer Schwierigkeit: Niveau 1 – einfachste, Niveau 2 – schwierigere und Niveau 3 – schwierigste Durchführung eines Elements.
  • Beim Eistanzen sind alle Elemente in mindestens 3 Niveaus geteilt, abhängig von ihrer Schwierigkeit.
  • Sprünge mit gleichem Schwierigkeitsniveau werden in der Kür leicht höher bewertet, wenn sie in der zweiten Hälfte des Programms ausgeführt werden. (Gegen Ende des Programms lässt die Kraft normalerweise nach.) Dies geschieht durch Multiplikation des Grundwertes mit einem Faktor 1,1.

Eine Beschreibung der Eigenschaften, die einem Element ein bestimmtes Schwierigkeitsniveau geben, wird in den ISU Kommunikationen veröffentlicht und aktualisiert.

 

 

Grad der Durchführung 

Während eines Programms bewerten mit Hilfe der GOE (Grade of Exicusion) die Preisrichter jedes Element innerhalb eines Stufenbereiches von +3 bis −3 (d. h. +3, +2, +1, Grundwert, −1, −2, −3). Als erstes bewertet man die positiven Seiten einer Durchführung, was den Gesamtwert des Elementes erhöhen kann, und dann folgen Abzüge, wenn Fehler gemacht wurden.

Jedem Plus- oder Minus-Grad ist einen eigener numerischer Punktwert in der Wertskalatabelle zugeordnet. Dieser Punktwert wird später zum Grundwert addiert. Ein Ausführungsgrad von zum Beispiel +3 kann je nach Element einen Punktwert von +3, +2, +1,5 oder auch +1 ergeben. Die Punktwerte liegen auch nicht unbedingt symmetrisch zur Null: Für ein Element, bei dem ein Ausführungsgrad von +3 einen Punktwert von +1,5 ergibt, kann dem Grad −3 durchaus ein Punktwert von −2,1 oder −1,0 zugeordnet sein.

Die Richtlinien der Bewertung werden über ISU-Kommunikationen veröffentlicht und aktualisiert. Damit können auch die Grundwerte und GOE-Punktwerte von Saison zu Saison variieren.

Technischer Gesamtwert 

Der Gesamtgrad für die Ausführung eines Elementes, der in veröffentlichten Detailergebnissen als GOE angegeben ist, wird vom Computer als gestutztes Mittel über die GOE-Punktwerte der „zählenden“ Preisrichter berechnet. (Siehe dazu unter Preisrichter.) Durch Addition des Gesamtgrads zum Grundwert erhält man die Wertung des Elementes. Der technische Gesamtwert (engl. Total Element Score) ergibt sich als Summe der Wertungen für die einzelnen technischen Elemente.

 

 

Programmbestandteile

Zusätzlich zum technischen Ergebnis vergeben die Preisrichter Punkte für fünf Programmbestandteile (engl. Program Components), und zwar auf einer Skala von 0 bis 10 in Schritten von 0,25. Die Programmbestandteile sind folgende: Eislauffertigkeit, Verbindungselemente, Präsentation/Durchführung, Choreographie/Komposition und Interpretation.

 

Erstaunlich 10  
Ausgezeichnet 9  
Sehr gut 8 etwa 75 %
Gut 7  
Überdurchschnittlich 6  
Durchschnittlich 5 etwa 50 %
Annehmbar 4  
Schwach 3 etwa 25 %
Schwach, heillos 2  
Sehr heillos 1  

 

Im Eistanzen haben die Pflichttänze nur vier Programmbestandteile: Eislauffertigkeit, Timing, Präsentation/Ausführung und Interpretation. Das liegt daran, dass bei Pflichttänzen die Schrittfolgen genau vordefiniert sind, also die Choreographie für alle Paare gleich ist.

 

Das Jury-Ergebnis für jeden Programmbestandteil wird vom Computer als gestutztes Mittel über die Wertungen der „zählenden“ Preisrichter errechnet. (Siehe unter Preisrichter.) Das Ergebnis für jeden Programmbestandteil wird noch mit einem Faktor multipliziert, sodass die Programmbestandteile mit unterschiedlichem Gewicht in die Summe eingehen und die Summe mit dem technischen Gesamtergebnis ungefähr ausgeglichen ist. Alle Werte werden auf zwei Dezimalstellen nach dem Komma gerundet.

 

Die höchstmögliche Wertung für jeden der fünf Programmbestandsteile ist offensichtlich 10,00 Punkte. Trotzdem ist der maximale Punktgewinn durch alle fünf Bestandteile wegen der Multiplikation mit Gewichtungsfaktoren nicht einfach 50 Punkte. Beim Kurzprogramm bzw. bei Pflicht- und Originaltanz sind die Faktoren kleiner, bei der Kür größer. Auch ist die relative Gewichtung der Programmbestandeile durch die Faktoren bei Kurzprogramm und Kür bzw. Pflichttanz, Originaltanz und Kür jeweils unterschiedlich.

 

Im Folgenden werden einige Aspekte beschrieben, die von den Preisrichtern wahrgenommen werden sollen, wenn sie die Programmbestandteile bewerten.

 

Eislauffertigkeit

Die Eislauffertigkeit (engl. Skating Skills) ist die Art und Weise, wie sich ein Eiskunstläufer/Paar auf dem Eis bewegt. Man bewertet dabei technische Klarheit, Qualität des Kantenlaufes, Schnelligkeit und Kontinuität des Eislaufens.

Kriterien:

  • Gleichgewicht und eine rhythmische Kniearbeit, Präzision der Fußarbeit;
  • Fluss und müheloses Gleiten;
  • Sauberkeit und Sicherheit beim tiefen Kantenlauf sowie der Schritte und Drehungen;
  • Energie und Beschleunigung;
  • Eislauf in mehreren Richtungen;
  • Eislauf auf einem Fuß;
  • ausgeglichene Meisterung der Technik bei beiden Partnern, harmonische und synchrone Durchführung des Programms (Paarlauf, Eistanzen);
  • Ausnutzung der ganzen Eisfläche (Pflichttänze).

Verbindungselemente

Die Verbindungselemente (engl. Transition) sind alle Bewegungen, Positionen, Fußarbeit und Haltungen, die die Elemente verbinden. Zu beachten sind auch Eingänge und Ausgänge der technischen Elemente.

Kriterien:

  • Vielfalt, Schwierigkeit und Qualität der Verbindungselemente;
  • Schwierigkeit, Kreativität und Qualität der Verbindungsschritte;
  • Originalität und Schwierigkeit beim Einlauf und Auslauf aus den Elementen;
  • harmonische und synchrone Durchführung (Paarlauf, Eistanzen);
  • allgemeine Qualität;
  • Gleichgewicht und Teamarbeit zwischen den Partnern (Paarlauf, Eistanzen);
  • Vielfalt der Tanzhaltungen, präzise Fußarbeit (Spurenbilder – Eistanzen).

Präsentation/Durchführung 

Bei der Präsentation (engl. Performance) muss man einschätzen, wie ein Eiskunstläufer/Paar in der Lage ist, Musik und Choreographie gefällig darzustellen und gefälligem Eindruck mit Hilfe von bewussten und absichtlichen Körperbewegungen beeindrucken. Bei der Durchführung (engl. Execution) bewertet man Qualität der Bewegungen, Körperhaltung und Gleichgewicht der durchgeführten Elemente. Dies schließt Harmonie der Bewegungen bei Paarlauf und Eistanzen ein.

Kriterien:

  • physische, emotionale und intellektuelle Einfühlung;
  • Stil und Individualität;
  • harmonische und synchrone Körperbewegung (Paarlauf, Eistanzen);
  • Varianten der Schnelligkeit;
  • ausgeglichene Durchführung bei beiden Partnern (Paarlauf, Eistanzen);
  • bewusste Teilung des Raumes von beiden Partnern – der Abstand zwischen den Partnern, harmonische Haltungswechsel (Paarlauf, Eistanzen)

Choreographie/Komposition

Die Choreographie (engl. Choreography) ist eine absichtliche, ausarbeitete und originale Anordnung allen Bewegungen, die in Übereinstimmung mit der Einheit, dem Raum, der Struktur und dem Ausdruck sind.

Kriterien:

  • Idee, Absicht;
  • Kreativität und Originalität;
  • gleichmäßige Verteilung der Elemente auf der Eisfläche;
  • sinnvolle und absichtliche Verbindung und Anknüpfung;
  • Ausnutzung des Personal- und Gesamtraumes;
  • Übereinstimmung der Elemente, der Schritte und der Bewegungen zur Musik;
  • Harmonie und unisono (Paarlauf).

Interpretation

Die Interpretation ist personale und kreative Übersetzung der Musikstimmung und -charakter in die Bewegungen auf dem Eis.

Kriterien:

  • mühelose Bewegungen mit Übereinstimmung zur Musik;
  • Darstellung der Musikstimmung, des Musikcharakters und -rhythmus;
  • eine Beziehung zwischen den Partnern, die die Musik darstellt;
  • Übereinstimmung der Elemente, der Schritte und der Bewegungen zur Musik;
  • Eignung und Angemessenheit des Musikstückes (Original- und Kürtanz)
  • Eislaufen im Musikrhythmus (Kürtanz).

Timing

Timing ist die Fähigkeit eines Eistanzpaares, beim Laufen der vorgeschriebenen Spurenbilder von Pflichttänzen den Rhythmus im Takt mit der Musik richtig darzustellen. Dabei sind für jeden Schritt die Schlagzeiten festgelegt. Im Originaltanz und in der Kür wird die in Takt und Rhythmus korrekte Ausführung bewertet. Hier gibt es zwar keine vorgeschriebenen Schritte, die Ausführung muss aber in einem richtigem Bezug erfolgen.

Kriterien:

  • Eislaufen nach der sog. „schweren“ Betonung (Beat);
  • Eislaufen im Takt mit der Musik;
  • Eislaufen in den vorgeschriebenen Rhythmen;
  • Beginn des Eistanzes mit dem richtigen Takt.

Abzüge

Regelverletzungen werden durch Punktabzüge geahndet. Abzüge gibt es z. B. für

  • Zeitüberschreitung/-unterschreitung
  • Illegale Elemente
  • Stürze
  • Programmunterbrechungen
  • Verletzung der Kostümregeln

Im Einzel- und Paarlauf gibt es außerdem Abzüge für z. B.

  • Verwendung von Vokalmusik

Im Eistanz gibt es weiterhin Abzüge für z. B.

  • Zusätzliche Elemente
  • Hebungen mit zu großer Dauer

Endergebnis

Die Summe des technischen Ergebnisses und der gewichteten Programmelemente ergibt nach Berücksichtigung von Abzügen das Endergebnis für das Segment (Kurzprogramm oder Kür bzw. Pflicht-, Original- oder Kürtanz).

Die Ergebnisse der Segmente werden zusammengezählt und bilden dann das Endergebnis eines Eiskunstläufers/Paares für den Wettbewerb. Es gewinnt, wer die höchste Punktzahl besitzt.

Punktgleichheit 

Segment 

Falls zwei oder mehrere Teilnehmer (Einzelläufer, Paar) die gleiche Punktzahl besitzen, ist beim Kurzprogramm das technische Ergebnis entscheidend. Bei der Kür entscheidet das Ergebnis für die Programmbestandteile. Sind auch hier Ergebnisse gleich, so erhalten alle den gleichen Rang.

Wettbewerb 

Falls zwei oder mehrere Teilnehmer (Einzelläufer, Paar) dieselbe Gesamtpunktzahl besitzen, so entscheidet das bessere Ergebnis im zuletzt gelaufenen Segment. Sind auch hier die Ergebnisse gleich, so erhalten alle den gleichen Rang.

 

Quelle: Wikipedia